Guides

Nicht fotogen auf Hochzeitsfotos? Warum ihr vor der Kamera nichts leisten müsst.

„Wir sind bei­de nicht foto­gen.“ Die­sen Satz höre ich vor Hoch­zei­ten ziem­lich oft. Meist folgt direkt die Sor­ge, auf den Bil­dern steif aus­zu­se­hen, nicht zu wis­sen, wohin mit den Hän­den, oder sich spä­ter selbst nicht zu gefal­len.

Ich kann das ver­ste­hen. Vor einer Kame­ra zu ste­hen gehört für die meis­ten Men­schen nicht zum All­tag. An eurem Hoch­zeits­tag müsst ihr dar­in aber auch nicht plötz­lich Pro­fis sein.

Nicht fotogen auf Hochzeitsfotos: Woher dieses Gefühl kommt

Vie­le von uns ken­nen sich vor allem aus dem Spie­gel oder von schnel­len Han­dy­fo­tos. Im Spie­gel seht ihr euch täg­lich in einer ver­trau­ten Ansicht. Ein Foto zeigt euch anders­her­um, aus einem bestimm­ten Win­kel und manch­mal genau in dem Bruch­teil einer Sekun­de, in dem ihr gera­de blin­zelt.

Kein Wun­der, dass sich das unge­wohnt anfüh­len kann.

Dazu kom­men Bil­der aus sozia­len Netz­wer­ken. Dort seht ihr sel­ten den ers­ten Ver­such. Ihr seht eine sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl, gutes Licht, pas­sen­de Per­spek­ti­ven und manch­mal eine ordent­li­che Por­ti­on Bear­bei­tung. Wenn ihr eure spon­ta­nen Fotos damit ver­gleicht, kann schnell das Gefühl ent­ste­hen, mit euch stim­me etwas nicht.

Das stimmt nicht.

„Foto­gen“ ist für mich kei­ne fes­te Eigen­schaft, die man­che Men­schen haben und ande­re eben nicht. Es geht viel stär­ker dar­um, ob ihr euch gera­de sicher fühlt, ob das Licht passt und ob der Mensch hin­ter der Kame­ra euch Raum gibt.

Ein schlech­tes Han­dy­fo­to beim Abend­essen sagt nichts dar­über aus, wie ihr auf euren Hoch­zeits­bil­dern wir­ken wer­det. Es sagt höchs­tens, dass Decken­licht und eine Kame­ra direkt vor der Nase sel­ten gute Freun­de sind.

Paar spaziert Händchen haltend auf baumbestandener Kopfsteinpflasterstraße, sie trägt Blumenkranz, er Fliege und Sneakers.

Ihr müsst vor der Kamera nichts vorspielen

Die größ­te Anspan­nung ent­steht oft durch die Vor­stel­lung, für Hoch­zeits­fo­tos etwas dar­stel­len zu müs­sen. Jetzt roman­tisch schau­en. Jetzt locker lachen. Jetzt ele­gant gehen. Und bloß nicht komisch ste­hen.

So arbei­te ich nicht.

Ich möch­te nicht, dass ihr für mich eine Ver­si­on von euch spielt, die ihr von Hoch­zeits­bil­dern ande­rer Paa­re kennt. Ihr müsst weder einen bestimm­ten Gesichts­aus­druck abru­fen noch zwan­zig Posen aus­wen­dig ler­nen. Eure Hoch­zeit ist kein Model­cas­ting.

Beim Paar­shoo­ting gebe ich euch eine Rich­tung, wenn ihr sie braucht. Viel­leicht bit­te ich euch, ein Stück gemein­sam zu gehen, kurz ste­hen zu blei­ben oder euch näher zusam­men­zu­stel­len. Das sind klei­ne Impul­se. Kei­ne kom­pli­zier­ten Ver­ren­kun­gen.

Was danach zwi­schen euch pas­siert, ist viel inter­es­san­ter. Viel­leicht müsst ihr lachen, weil sich das Gan­ze für zwei Sekun­den unge­wohnt anfühlt. Viel­leicht sagt einer von euch etwas, das ich gar nicht höre. Viel­leicht schaut ihr euch ein­fach nur an und merkt: Ver­dammt, wir haben gera­de wirk­lich gehei­ra­tet.

Genau dort ent­ste­hen die Bil­der, die sich spä­ter nach euch anfüh­len.

Natürliche Hochzeitsfotos entstehen nicht durch Zufall

Unge­stell­te Bil­der bedeu­ten nicht, dass ich irgend­wo weit weg ste­he und auf Glück hof­fe. Ich beob­ach­te, wie ihr euch bewegt, wo gutes Licht ist und wel­cher Hin­ter­grund Ruhe ins Bild bringt. Gleich­zei­tig ach­te ich dar­auf, wann ihr gera­de eine Pau­se braucht.

Man­che Paa­re ver­ges­sen die Kame­ra nach weni­gen Minu­ten. Ande­re brau­chen etwas län­ger. Bei­des ist völ­lig in Ord­nung.

Mei­ne Auf­ga­be ist es, die Situa­ti­on so ein­fach zu machen, dass ihr euch nicht per­ma­nent selbst kon­trol­liert. Wenn ihr dar­über nach­denkt, ob euer Kinn rich­tig steht oder eure Hän­de gut aus­se­hen, seid ihr nicht mehr bei euch. Dann wird aus einem gemein­sa­men Moment plötz­lich Arbeit.

Des­halb hal­te ich Anwei­sun­gen mög­lichst klar und knapp. Ich erzäh­le euch nicht bei jedem Bild, was ihr mit jedem Kör­per­teil machen sollt. Men­schen sehen sel­ten natür­lich aus, wenn sie gleich­zei­tig fünf Kom­man­dos abar­bei­ten.

Auch der Zeit­punkt spielt eine Rol­le. Ein Paar­shoo­ting direkt nach einer stres­si­gen Auto­fahrt fühlt sich anders an als zehn ruhi­ge Minu­ten nach der Trau­ung. Manch­mal tei­len wir das Shoo­ting auf und gehen spä­ter noch ein­mal kurz raus. Ihr müsst nicht eine Stun­de am Stück funk­tio­nie­ren.

Und ja, Licht macht einen Unter­schied. Wei­ches Fens­ter­licht, ein schat­ti­ger Platz oder die letz­ten Minu­ten am Abend kön­nen euch eine ganz ande­re Ruhe geben als die pral­le Mit­tags­son­ne. Das hat nichts mit eurer ver­meint­li­chen Foto­ge­ni­tät zu tun. Das ist schlicht Foto­gra­fie.

Was hilft, wenn ihr euch nicht fotogen auf Hochzeitsfotos fühlt?

Der wich­tigs­te Schritt pas­siert vor der Hoch­zeit: Sucht euch einen Foto­gra­fen, bei des­sen Bil­dern ihr ech­te Men­schen erkennt. Schaut nicht nur auf spek­ta­ku­lä­re Paar­por­träts. Seht euch voll­stän­di­ge Repor­ta­gen an.

Wie wir­ken die Men­schen wäh­rend der Trau­ung? Wie sehen Umar­mun­gen, klei­ne Pau­sen und die Par­ty aus? Erkennt ihr unter­schied­li­che Kör­per, Alters­grup­pen und Per­sön­lich­kei­ten oder scheint jedes Paar die­sel­be Pose ein­zu­neh­men?

Sprecht im Ken­nen­lern­ge­spräch offen dar­über, wenn ihr euch vor der Kame­ra unwohl fühlt. Das ist nicht pein­lich und auch kei­ne unge­wöhn­li­che Infor­ma­ti­on. Für mich ist es hilf­reich zu wis­sen, was euch beschäf­tigt.

  • Sagt ehr­lich, wenn ihr schlech­te Erfah­run­gen mit Fotos gemacht habt.
  • Erzählt, ob euch bestimm­te Posen oder sehr insze­nier­te Bil­der unan­ge­nehm sind.
  • Tragt Klei­dung, in der ihr euch bewe­gen und nor­mal atmen könnt.
  • Plant genug Zeit ein, damit das Shoo­ting nicht zwi­schen zwei Ter­mi­ne gequetscht wird.
  • Ver­gleicht euch nicht mit frem­den Paa­ren auf Insta­gram oder Pin­te­rest.

Ein Enga­ge­ment-Shoo­ting vor der Hoch­zeit kann hel­fen, wenn euch die Unsi­cher­heit sehr beschäf­tigt. Es ist aber kei­ne Pflicht­übung. Ihr müsst nicht erst trai­nie­ren, um an eurem Hoch­zeits­tag foto­gra­fiert wer­den zu dür­fen.

Manch­mal reicht schon ein gutes Vor­ge­spräch. Wenn ihr wisst, wer euch beglei­tet und wie die­ser Mensch arbei­tet, ver­schwin­det ein gro­ßer Teil der Ner­vo­si­tät von allein.

Braut in weißem Kleid tanzt mit Bräutigam auf einer Landstraße, umgeben von Bäumen.

Eure besten Bilder entstehen oft außerhalb des Paarshootings

Wenn Paa­re an Hoch­zeits­fo­tos den­ken, sehen sie häu­fig zuerst das Paar­shoo­ting vor sich. Dabei besteht eure Repor­ta­ge aus viel mehr.

Da ist der Moment beim Get­ting Rea­dy, in dem eure Hän­de kurz zit­tern. Der Blick eures Part­ners wäh­rend der Trau­ung. Die Umar­mung von Oma. Eure Freun­de, die beim Sekt­emp­fang irgend­ei­nen alten Quatsch erzäh­len. Spä­ter die Rede, bei der ihr erst lacht und dann doch ein paar Trä­nen weg­wischt.

In die­sen Situa­tio­nen fragt ihr euch nicht, wohin mit den Hän­den. Ihr seid beschäf­tigt. Ihr fühlt etwas. Ihr reagiert auf Men­schen, die euch wich­tig sind.

Genau des­halb wir­ken sol­che Bil­der so ehr­lich.

Eine Hoch­zeits­re­por­ta­ge nimmt euch den Druck, an einem ein­zi­gen Foto­ter­min „gut aus­se­hen“ zu müs­sen. Ich beglei­te euren Tag und hal­te vie­le klei­ne Momen­te fest. Nicht jedes Bild muss ein Por­trät für die Wohn­zim­mer­wand sein. Man­che Fotos sind wert­voll, weil sie euch sofort zurück in eine bestimm­te Sekun­de brin­gen.

Viel­leicht ist euer Lieb­lings­bild spä­ter nicht das mit dem per­fek­ten Licht. Viel­leicht ist es das Bild, auf dem ihr laut lacht, die Fri­sur schon ein biss­chen aus­ein­an­der­fällt und im Hin­ter­grund euer bes­ter Freund völ­lig ent­gleist tanzt.

Per­fekt? Wahr­schein­lich nicht. Echt? Ganz sicher.

Ihr dürft euch auf Hochzeitsfotos erst einmal ungewohnt finden

Es kann pas­sie­ren, dass ihr eure Hoch­zeits­bil­der öff­net und euch zunächst an ein­zel­ne Ansich­ten gewöh­nen müsst. Ihr seht euch aus Per­spek­ti­ven, die ihr selbst kaum kennt. Dazu kom­men all die Emo­tio­nen des Tages.

Gebt euch einen Moment.

Ver­sucht nicht, jedes Foto sofort nach ver­meint­li­chen Makeln abzu­su­chen. Schaut erst auf die Geschich­te. Was ist dort pas­siert? Wen seht ihr neben euch? Wie habt ihr euch in die­sem Augen­blick gefühlt?

Wir sind oft viel stren­ger mit uns selbst als mit den Men­schen, die wir lie­ben. Bei einem Foto eures Part­ners seht ihr das Lachen. Bei euch selbst ent­deckt ihr zuerst eine Fal­te am Kleid oder eine Haar­sträh­ne, die anders liegt als geplant.

Die­se Klei­nig­kei­ten wer­den mit den Jah­ren unwich­ti­ger. Die Men­schen auf den Bil­dern wer­den wich­ti­ger.

Ich bear­bei­te Hoch­zeits­fo­tos so, dass Far­ben, Licht und Stim­mung zusam­men­pas­sen. Ich mache aus euch aber kei­ne glat­te Ver­si­on, die es an die­sem Tag nie gege­ben hat. Ihr sollt euch wie­der­erken­nen. Nicht wie Figu­ren aus einer Wer­bung aus­se­hen.

0A6A2278

Mein ehrlicher Rat, wenn ihr euch für nicht fotogen haltet

Kommt nicht mit dem Anspruch zu eurer Hoch­zeit, auf jedem ein­zel­nen Bild makel­los aus­se­hen zu müs­sen. Das ist ein Kampf, den nie­mand gewin­nen kann. Ein ech­ter Tag ist in Bewe­gung. Ihr lacht, redet, weint, esst, tanzt und wer­det irgend­wann müde.

Genau das darf man sehen.

Sucht euch jeman­den, dem ihr ver­traut. Sprecht offen über eure Unsi­cher­heit und schaut euch nicht nur die zehn schöns­ten Port­fo­lio­fo­tos an. Wenn die Ver­bin­dung stimmt, müsst ihr vor der Kame­ra deut­lich weni­ger nach­den­ken.

Ihr seid nicht dafür ver­ant­wort­lich, euch selbst zu foto­gra­fie­ren. Das ist mein Job. Euer Job ist es, zu hei­ra­ten, eure Men­schen in den Arm zu neh­men und die­sen ver­dammt wich­ti­gen Tag zu erle­ben.

Wenn ihr eure Hoch­zeit im Ruhr­ge­biet, irgend­wo in NRW oder sonst­wo auf die­sem Pla­ne­ten plant und euch bei dem Gedan­ken an eine Kame­ra schon die Schul­tern hoch­zie­hen, schreibt mir gern. Wir reden in Ruhe dar­über. Ohne Posing-Kurs und ohne den Anspruch, jemand ande­res sein zu müs­sen.

Ähnliche Beiträge

Gruppenfotos Hochzeit: So bekommt ihr alle wichtigen Bilder ohne Gruppenfoto-Marathon

Grup­pen­fo­tos gehö­ren für vie­le Paa­re zur Hoch­zeit dazu. Gleich­zei­tig hat kaum jemand Lust, nach der Trau­ung eine Stun­de lang Namen auf­zu­ru­fen, ver­schwun­de­ne Onkel zu suchen und die­sel­ben Men­schen immer wie­der neu auf­zu­stel­len. Das muss auch nicht sein. Mit einer kur­zen Lis­te, einem guten Zeit­punkt und ein wenig Hil­fe ent­ste­hen die wich­ti­gen Bil­der ziem­lich ent­spannt. Danach…
Mehr erfah­ren → Grup­pen­fo­tos Hoch­zeit: So bekommt ihr alle wich­ti­gen Bil­der ohne Grup­pen­fo­to-Mara­thon

Was passiert eigentlich, wenn euer Hochzeitsfotograf krank wird?

Eine Fra­ge, die mir in den Gesprä­chen mit Braut­paa­ren oft gestellt wird, ist: „Was pas­siert eigent­lich, wenn du an unse­rer Hoch­zeit krank wirst?“ Ich kann die Fra­ge gut ver­ste­hen. Ihr plant die­sen Tag laaan­ge im Vor­aus, sucht euch euren Foto­gra­fen bewusst aus und möch­tet natür­lich wis­sen, ob es für den Ernst­fall einen Plan gibt. Die…
Mehr erfah­ren → Was pas­siert eigent­lich, wenn euer Hoch­zeits­fo­to­graf krank wird?

Wie lange dauert die Bearbeitung von Hochzeitsfotos? Wann ihr eure Bilder wirklich bekommt.

Die Hoch­zeit ist vor­bei, der Kopf noch vol­ler Momen­te und dann kommt die­se eine Fra­ge: Wie lan­ge dau­ert die Bear­bei­tung von Hoch­zeits­fo­tos eigent­lich? Ihr möch­tet sehen, wie ihr euch ange­schaut habt, wer beim Ja-Wort geweint hat und was wäh­rend der Fei­er pas­siert ist, ohne dass ihr es mit­be­kom­men habt. Bei mir bekommt ihr kurz nach…
Mehr erfah­ren → Wie lan­ge dau­ert die Bear­bei­tung von Hoch­zeits­fo­tos? Wann ihr eure Bil­der wirk­lich bekommt.